Hitzewelle kostet Milliarden: 7 Maßnahmen für Unternehmen und Führungskräfte

Hitzewelle kostet Milliarden: 7 Maßnahmen für Unternehmen und Führungskräfte

veröffentlicht am 17. Juli 2026

Warum Hitzeschutz zur Führungsaufgabe wird

6,3 Milliarden Euro Schaden in nur zwei Wochen (17. bis 30. Juni 2026). Das ist das Ergebnis der Beratungsunternehmung Prognos AG im Auftrag des Handelsblatt.

Ein einzelner Hitzetag ab 30 Grad kostet demnach etwa 431 Millionen Euro und verursacht rechnerisch rund 76.500 zusätzliche Fehltage durch hitzebedingte Erkrankungen und Unfälle.

Besonders bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe des Schadens, sondern vor allem seine Ursache:

Rund 97 Prozent der wirtschaftlichen Verluste entstanden durch eine sinkende Produktivität der Beschäftigten.

Nicht ausgefallene Maschinen, unterbrochene Lieferketten oder technische Störungen verursachten demnach den größten Schaden. Entscheidend war, dass Menschen bei großer Hitze nicht mehr in gleichem Umfang leistungsfähig waren.

Das kann ich mir gut vorstellen. Ich selbst bin schon am PC in einen Sekundenschlaf verfallen. Südseite, +30 Grad im kleinen Einzelbüro und wahrscheinlich nur noch eine Handvoll rote Blutkörperchen in mir, die sich wacker hielten!

Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete mit rund 1,9 Milliarden Euro die höchsten Verluste. Ebenfalls stark betroffen waren das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Handel. (BNN 17.08.2026)

Diese Zahlen zeigen sehr deutlich:

Wo wir früher auf Länder in Südeuropa und deren Herausforderungen wie Siestas schauten, müssen wir jetzt auf uns und unsere Möglichkeiten schauen.

Hitze wirkt direkt auf Leistungsfähigkeit und Fehlzeiten

Hohe Temperaturen belasten den menschlichen Körper. Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsgeschwindigkeit und körperliche Belastbarkeit können abnehmen. Gleichzeitig steigt das Risiko von Kreislaufproblemen, Erschöpfung, Fehlern und Arbeitsunfällen.

Nach Berechnungen von Allianz Trade sinkt die Produktivität ab Temperaturen von 30 Grad Celsius mit jedem zusätzlichen Grad um etwa drei Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten aufgrund des höheren Kühlbedarfs.

Damit entsteht eine doppelte Belastung:

Unternehmen müssen mehr Energie für Kühlung einsetzen und erhalten gleichzeitig weniger produktive Arbeitsleistung.

Hinzu kommen mögliche hitzebedingte Fehlzeiten. Besonders gefährdet sind Beschäftigte, die körperlich arbeiten, Schutzkleidung tragen, im Freien tätig sind oder in schlecht gekühlten Gebäuden arbeiten.

Aber auch Büroarbeitsplätze sind betroffen. Wer nachts wegen der Hitze schlecht schläft und dauerhaft in überhitzten Räumen arbeitet, wird nicht dieselbe Leistung erbringen wie unter normalen Bedingungen.

Unternehmen sollten deshalb die Frage stellen:

Wie gestalten wir die Arbeit so, dass unsere Beschäftigten auch bei großer Hitze möglichst sicher und leistungsfähig bleiben?

Damit wird Hitzeschutz zu einer Frage proaktiver Führung und professionell wertschätzender Arbeitsorganisation.

Brauchen Unternehmen einen Hitzefahrplan?

Ich denke schon. Denn viele Unternehmen reagieren auf Hitzewellen noch immer spontan. Dann werden Ventilatoren verteilt, die dann zumeist ausverkauft sind, Wasser bereitgestellt und an leckeres Eis gedacht.

Diese Maßnahmen sind hilfreich, ersetzen jedoch kein durchdachtes und auf die betrieblichen Anforderungen passendes Konzept.

Unternehmen sollten einen verbindlichen Hitzefahrplan entwickeln, der bereits vor dem nächsten Temperaturanstieg festlegt, welche Maßnahmen ab welchen Temperaturen greifen.

1. Arbeitszeiten flexibel anpassen

Körperlich belastende Tätigkeiten sollten wenn möglich in die kühleren Morgenstunden gelegt werden.

Je nach Tätigkeit können  angepasste Arbeitszeitmodelle oder veränderte Pausenzeiten sinnvoll sein. Auch Arbeitsabläufe sollten überprüft werden.

Müssen bestimmte körperlich schwere Tätigkeiten wirklich am Nachmittag ausgeführt werden? Können Aufgaben innerhalb des Teams anders verteilt werden? Kann man besonders belastende Aufgaben vielleicht sogar depriorisieren und verschieben?

Flexibilität ist hier  ein Zeichen professioneller Organisation.

2. Belastungen aktiv reduzieren

Nicht jede Tätigkeit belastet Beschäftigte bei Hitze gleichermaßen.

Unternehmen sollten deshalb prüfen:

  • Welche Arbeitsplätze heizen sich besonders stark auf?
  • Wo wird schwere körperliche Arbeit geleistet?
  • Welche Beschäftigten tragen Schutzkleidung?
  • In welchen Bereichen fehlt eine ausreichende Luftzirkulation?
  • Wo treten besonders häufig Ausfälle oder Leistungseinbrüche auf?

Auf dieser Grundlage können Arbeitstempo, Einsatzdauer und Tätigkeitswechsel angepasst werden.

Kurze zusätzliche Erholungs- und Abkühlphasen können dabei produktiv sein. Bei der jüngsten Fußball WM haben wir dies bei den Trinkpausen gesehen.

3. Technische Maßnahmen konsequent umsetzen

Hitzeschutz beginnt nicht erst mit der Klimaanlage.

Bereits einfache technische und bauliche Maßnahmen können die Belastung reduzieren:

  • außenliegender Sonnenschutz
  • frühzeitige Verschattung
  • Nachtauskühlung
  • Ventilatoren
  • Reduzierung zusätzlicher Wärmequellen
  • Verlagerung wärmeerzeugender Prozesse wie Drucker in separate Räume
  • gezielte Kühlung besonders belasteter Bereiche

Entscheidend ist, dass diese Maßnahmen vorbereitet sind und nicht erst beschafft werden, wenn die Hitzewelle bereits begonnen hat.

4. Führungskräfte auf Hitze vorbereiten

Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle.

Sie müssen erkennen, wenn Beschäftigte körperlich oder mental an ihre Grenzen kommen. Warnzeichen sind Infos über Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, ungewöhnliche Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder auffällige Fehler.

Dafür benötigen Führungskräfte klare Handlungsmöglichkeiten.

Sie sollten wissen:

  • Welche Maßnahmen dürfen sie eigenständig veranlassen?
  • Wann müssen Tätigkeiten unterbrochen werden?
  • Wo befinden sich kühlere Aufenthaltsbereiche?
  • Wie sprechen sie Belastungen wertschätzend an?

Führung bedeutet, Belastungsgrenzen zu erkennen und Arbeitsfähigkeit zu sichern.

5. Getränke leicht zugänglich machen

Ausreichendes Trinken ist eine grundlegende Voraussetzung für sicheres Arbeiten bei hohen Temperaturen. Wir alle wissen, dass 2-3 Liter eine Herausforderung aber super wichtig ist.

Wasser sollte deshalb unkompliziert und in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz erreichbar sein. Ein Wasserspender im weit entfernten Pausenraum reicht insbesondere in aufgeheitzten Produktions- oder Logistikbereichen häufig nicht aus.

Auch regelmäßige Trinkpausen sollten ausdrücklich ermöglicht werden, ohne dass man sich schlecht fühlen muss.

6. Besonders gefährdete Beschäftigte berücksichtigen

Nicht alle Menschen reagieren gleich auf Hitze.

Ältere Beschäftigte, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere oder Beschäftigte, die bestimmte Medikamente einnehmen, können stärker gefährdet sein.

Führungskräfte müssen keine medizinischen Diagnosen kennen. Sie sollten jedoch eine Kultur ermöglichen, in der Beschäftigte Belastungen frühzeitig ansprechen können, ohne Nachteile oder negative Bewertungen befürchten zu müssen.

Psychologische Sicherheit ist auch beim Hitzeschutz entscheidend. Wer Angst hat, als wenig belastbar zu gelten, wird Beschwerden möglicherweise verschweigen und damit sich selbst und andere gefährden.

7. Hitzebedingte Fehlzeiten auswerten

Unternehmen sollten ihre Fehlzeitendaten auch unter dem Gesichtspunkt von Temperatur und Arbeitsbedingungen betrachten.

Interessante Fragen sind beispielsweise:

  • Steigen Kurzzeiterkrankungen während Hitzewellen?
  • Sind bestimmte Schichten besonders betroffen?
  • Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Abteilungen?
  • Häufen sich Arbeitsunfälle oder Fehler an heißen Tagen?
  • Welche Maßnahmen haben bereits zu einer Verbesserung geführt?

Ein auffälliger Anstieg in einem bestimmten Bereich kann auf unzureichende Kühlung, ungünstige Schichtplanung, hohe körperliche Belastung oder fehlende Erholungsmöglichkeiten hinweisen.

Hitzeschutz und Fehlzeitenmanagement gehören zusammen

Professionelles Fehlzeitenmanagement bedeutet betriebliche Ursachen und Einflussfaktoren frühzeitig zu erkennen. Hitze ist ein solcher Einflussfaktor.

Unternehmen können das Wetter nicht verändern. Sie können jedoch oftmals Arbeitssituationen stärker beeinflussen, als sie denken.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen reaktivem und aktivem Fehlzeitenmanagement.

Ein reaktives Fehlzeitenmanagement registriert, dass mehr Menschen fehlen.

Ein aktives Fehlzeitenmanagement analysiert, warum Fehlzeiten auftreten und welche organisatorischen Veränderungen möglich sind.

Führungskräfte haben Unterstützung verdient

Denn auch sie leiden wie alle unter der Hitze. Und ein Hitzefahrplan funktioniert besser, wenn Führungskräfte wissen, was von ihnen erwartet wird und welchen Handlungsspielraum sie haben. Und es reicht nicht, eine allgemeine Information per E-Mail zu versenden und auf Eigenverantwortung zu verweisen.

Unternehmen sollten klare Stufenmodelle definieren.

Beispielsweise:

  1. Welche Maßnahmen gelten bei erhöhten Raumtemperaturen?
  2. Was passiert ab 26 Grad?
  3. Welche zusätzlichen Maßnahmen greifen ab 30 Grad?
  4. Wer entscheidet über Arbeitszeitverlagerungen?
  5. Wann werden zusätzliche Pausen ermöglicht?
  6. Welche Tätigkeiten müssen reduziert oder unterbrochen werden?

Das reduziert Diskussionen, Unsicherheit und uneinheitliche Entscheidungen.

Fazit: Die nächste Hitzewelle kommt sicher

Die Diskussion über Wettbewerbsfähigkeit wird immer weitergehen.

Und wenn Beschäftigte aufgrund extremer Temperaturen weniger leistungsfähig sind, müssen wir dies akzeptieren und besser darauf reagieren, als bisher.

Hitzeschutz ist deshalb nicht allein Aufgabe des Arbeitsschutzes, des Gebäudemanagements oder der Personalabteilung.

Hitzeschutz ist eine Führungs- und Managementaufgabe.

Und jetzt die Frage der Fragen: Wie gut ist euer Unternehmen darauf vorbereitet?

Fotoquelle: Foto von Kai Pilger auf Unsplash

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