Leisure Sickness: Warum Beschäftigte im Urlaub krank werden

Leisure Sickness: Warum Beschäftigte im Urlaub krank werden

veröffentlicht am 1. September 2026

Wiederholt im Urlaub krank. Zufall, Muster oder Missbrauch?

Urlaubszeit bringt auch immer dieses Thema auf den Tisch.

Ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin erkrankt wiederholt während des Urlaubs und die Krankheitstage werden dem Urlaubskonto wieder gutgeschrieben. Das hat eine hohe Aufmerksamkeit, weshalb die zusätzliche Abwesenheit auch im Team für Gesprächsstoff sorgt.

Der Verdacht liegt schnell in der Luft:

„Da verlängert jemand gezielt seinen Urlaub.“

Jetzt zeigt sich gute Führung und wer genau hinschaut:

Denn neben neben einem möglichen Zufall oder motivationsbedingten Gründen, gibt es auch Leisure Sickness, die sogenannte Freizeitkrankheit.

Eine repräsentative Studie der IU Internationalen Hochschule zeigt, wie verbreitet die sogenannte Freizeitkrankheit unter Beschäftigten in Deutschland ist. Für Unternehmen ist sie ein wichtiges Warnsignal. Und eine Aufgabe für Führung und Management.

Was ist Leisure Sickness?

Der letzte Arbeitstag ist geschafft, der Urlaub beginnt – und plötzlich fühlt man sich erschöpft, bekommt Kopfschmerzen, schläft schlecht oder wird krank.

Die Beschwerden treten typischerweise dann auf, wenn die berufliche Anspannung nachlässt: am Feierabend, am Wochenende, an freien Tagen oder zu Beginn eines Urlaubs.

Leisure Sickness ist keine offiziell anerkannte medizinische Diagnose. Dennoch beschreibt der Begriff ein Stressreaktionsmuster, das wohl viele Beschäftigte aus eigener Erfahrung kennen.

Eine repräsentative Studie der IU Internationalen Hochschule aus dem Jahr 2025 zeigt das Ausmaß:

71,9 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland hatten an freien Tagen oder im Urlaub bereits das Gefühl, krank zu werden oder sich erschöpft zu fühlen.

Bei 19,3 Prozent tritt dieses Gefühl sogar immer oder häufig auf. Leisure Sickness ist also kein Einzelphänomen.

Welche Symptome treten auf?

Das am häufigsten genannte Symptom ist Müdigkeit beziehungsweise Erschöpfung. 36,1 Prozent der Befragten erleben diese an freien Tagen immer oder häufig.

Mehr als 1/3, das finde ich spannend und frage mich, was genau unter Müdigkeit und Erschöpfung gemeint ist? Ich denke, dass die folgenden und typischen Beschwerden mehr Orientierung geben:

  • Schlafprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Erkältungssymptome wie Husten oder Schnupfen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Migräne

Die Beschwerden treten häufig unmittelbar zu Beginn der Erholungsphase auf. Der Körper scheint so lange zu funktionieren, wie Leistung verlangt wird. Sobald der Druck nachlässt, werden Erschöpfung und andere Symptome spürbar.

Die IU-Studie beschreibt als mögliche Erklärung den Wechsel zwischen Anspannung und Regeneration. In Stressphasen ist der Körper auf Leistung eingestellt. Lässt die Anspannung abrupt nach, können zuvor unterdrückte Beschwerden wahrnehmbar werden.

Vereinfacht gesagt:

Der Körper präsentiert die Rechnung nicht unbedingt während der Belastung, sondern häufig erst danach.

Ist Leisure Sickness ein persönliches Thema?

Auf den ersten Blick könnte man Leisure Sickness als individuelles Problem betrachten:

Beschäftigte müssten eben besser abschalten und sich besser auf den Urlaub vorbereiten. Das greift jedoch zu kurz.

Die Studie nennt als besonders belastende Aspekte und somit die Keimzellen für das Phänomen:

  • hohen Arbeitsdruck
  • mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kolleginnen und Kollegen
  • unklare Aufgabenverteilung
  • unklare Aufgabenstellungen
  • fehlende Urlaubsvertretung
  • Überstunden und lange Arbeitstage

Hoher Arbeitsdruck wird von 33,7 Prozent der Befragten als Belastung genannt. 30 Prozent vermissen Unterstützung durch Vorgesetzte oder das Team. Eine unklare Aufgabenverteilung belastet 23,4 Prozent.

Diese Faktoren beeinflussen die Arbeit, was wiederum auf das Private ausstrahlt.

Ich persönlich vermisse hier noch den Faktor der als unfair empfundenen Führungskraft, was ja nachweislich aus anderen Studien als sehr belastend wahrgenommen wird.

Deshalb ist Leisure Sickness nicht nur ein individuelles und persönliches Thema, sondern auch ein Führungs- und Managementthema.

Was können Führungskräfte jetzt tun?

1️⃣ Die Auffälligkeiten offen ansprechen
Nicht um anzuklagen, sondern um den „Elefanten im Raum“ nicht zu ignorieren.

2️⃣ Nach betrieblichen Zusammenhängen fragen
Gab es vor dem Urlaub besonderen Druck, Konflikte oder eine dauerhaft hohe Belastung?

3️⃣ Die weitere Entwicklung verbindlich begleiten
Erklärt den hohen Aufmerksamkeitscharakter und den damit verbundenen Gefühlen im Team.

Eine mögliche Formulierung im Gesundheitsfördergespräch könnte lauten:

„Da dies bereits wiederholt erfolgt, ist mir die weitere Entwicklung besonders wichtig und wir bleiben über mögliche betriebliche Ursachen im Gespräch. Denn Urlaub ist zur Erholung da und es ist für alle schlecht, wenn dies nicht gelingt.“

Verbindlichkeit und Klarheit zu schaffen ist nicht gleichbedeutend mit Misstrauen, auch wenn das manche so verstehen. Gleichzeitig spricht gute Führung Auffälligkeiten an, ohne vorschnell zu verurteilen. Denn der Konflikt wird nicht kleiner, wenn man ihn verschweigt.

Ich bin glücklicherweise bisher und auch diesen Sommer davon bisher verschont geblieben.

Quelle: IU Erfurt Prof. Dr. Stefanie André 2025

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